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Betrügereien im großen Stile aufgedeckt - Ermittlungsgruppe Kamerun stellt ihr Ergebnis vor

Datum: 16.09.2005

Kurzbeschreibung: 

Gemeinsame Presseerklärung Staatsanwaltschaft Karlsruhe und Polizeipräsidium Karlsruhe

 

16.09.2005

 

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Betrügereien im großen Stile aufgedeckt - Ermittlungsgruppe Kamerun stellt ihr Ergebnis vor
  • Rund 3.500 Taten geklärt
  • Schaden in Millionenhöhe
  • Sieben Polizeibeamte rund ein Jahr beschäftigt
  • 16 Tatverdächtige aus Schwarzafrika identifiziert
  • 11 Haftbefehle gegen Männer und eine Frau aus Kamerun erwirkt
  • 6 Beschuldigte zu Haftstrafen verurteilt

 


Karlsruhe. Nach über einem Jahr ebenso intensiver wie aufwändiger Nachforschungen und Recherchen haben Staatsanwaltschaft und Polizeipräsidium Karlsruhe am Freitagvormittag im Rahmen eines Pressegespräches das Ermittlungsergebnis der „EG Kamerun" vorgestellt.

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Der Stein der Ermittlungen war zum Jahreswechsel 2003/2004 ins Rollen gekommen, als sich bei der Ermittlungsgruppe „Unbarer Zahlungsverkehr" die Anzeigen wegen Betrügereien mit EC- und Kreditkarten gegen unbekannte Schwarzafrikaner auffällig gemehrt hatten. Bereits bei den ersten Recherchen wurde deutlich, dass ganz überwiegend aus Kamerun stammende Männer, die zumeist über Frankreich als Studenten oder Asylbewerber ins Bundesgebiet eingereist waren, für die Taten in Frage kamen.

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Nach ihrer Einreise war es den Personen unter Vorlage gefälschter französischer Ausweispapiere sowie gleichfalls gefälschter Arbeitsverträge und Einkommensnachweise gelungen, bei verschiedenen Geldinstituten Girokonten zu eröffnen. Nicht selten verwendeten die Täter dabei auch angebliche Doktortitel, die offenbar den gewünschten Eindruck erzeugten. Nach Eröffnung der Konten beantragten sie dann die für die Betrügereien vorgesehenen EC- und Kreditkarten.

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Nach den Feststellungen der angesichts des großen Umfanges der Taten installierten Ermittlungsgruppe Kamerun gingen die Gauner fast immer nach demselben Strickmuster vor: zunächst wurden mit Hilfe des „Plastikgeldes" Bahnfahrkarten erworben, mit denen man sich in wechselnder Beteiligung regelmäßig zu zweit in Städten entlang der Bundesbahn-Trassen Basel-Karlsruhe-Frankfurt bzw. Karlsruhe-Stuttgart bewegte. Betroffen waren aber auch Städte im angrenzenden Frankreich sowie in Belgien.

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Hier wurden dann mit den Karten Einkäufe hochwertiger elektronischer Geräte wie Notebooks und Stand-PCs, aber auch von Kosmetika und Oberbekleidung getätigt. Auch Geschenkgutscheine mit Nennwerten von 500 oder 1.000 Euro sowie Fahrkarten mit einem Ziel im Ausland wurden „mit dem guten Namen bezahlt", um sie nach einiger Zeit einzulösen und damit an Bargeld zu gelangen. Soweit möglich wurden bei Elektronikgroßmärkten so genannte Konsumentenkredite in Anspruch genommen.

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Darüber hinaus schlossen die ermittelten Beschuldigten bei verschiedenen Anbietern Handyverträge ab und nutzten diese sowohl zur Kommunikation untereinander als auch für Telefonate auf den schwarzen Kontinent. Allein hier summierte sich der verursachte Schaden auf rund 50.000 Euro.

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Insgesamt galt es für die Beamten, etwa 7.000 solcher Betrügereien zu bearbeiten – insbesondere handelte es sich um die Tatbestände des Kontoeröffnungsbetruges, des betrügerischen Lastschriftenumsatzes, des betrügerisch erlangten Konsumentenkredites sowie um verschiedene Urkundendelikte wie beispielsweise die mittelbare Falschbeurkundung.

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Unmittelbar nach Einsetzung der Ermittlungsgruppe wurden die Kreditinstitute und Kreditkartenunternehmen in Zusammenarbeit mit dem Landeskriminalamt Baden-Württemberg im Rahmen einer so genannten Bankenwarnung informiert und zu besonderer Vorsicht aufgerufen. Wie wichtig dieser präventive Ansatz war, zeigt die Tatsache, dass im Raum Karlsruhe seit Mitte 2004 keine weiteren Betrugsstraftaten und Urkundendelikte mit Straftätern aus Kamerun verzeichnet werden mussten.

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Schließlich konnten nicht weniger als 3.500 Taten mit einem verursachten Schaden von rund einer Million Euro einer Gruppe von 16 Schwarzafrikanern, davon allein 15 aus Kamerun, zugeordnet werden. Bei ihren betrügerischen Beutezügen waren die 22 bis 31 Jahre alten Verdächtigen mit weit über hundert verschiedenen Personalien aufgetreten. Bei 11 der allesamt aus Kamerun stammenden Beschuldigten lag ein Haftgrund vor, so dass die Staatsanwaltschaft Karlsruhe Haftbefehl erwirkte; sechs der Haftbefehle konnten vollstreckt werden.

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Diese sechs Männer wurden mittlerweile zu Haftstrafen zwischen 2 Jahren und 5 Jahren und 9 Monaten verurteilt. Fünf der ermittelten Tatverdächtigen gelang es unterzutauchen; nach ihnen wird nach wie vor gefahndet.

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Der Verbleib des von den Tätern ergaunerten Bargeldes ließ sich nicht mehr vollständig klären. Allerdings konnten die Beamten den mehrfachen Transfer kleinerer Beträge nach Kamerun nachweisen. Auch dürfte einiges Geld von den Beschuldigten zum Lebensunterhalt benutzt worden sein. Die betrügerisch erworbenen Waren und Gebrauchsartikel wurden von den Tätern größtenteils nach Afrika ausgeführt. Hierzu verstauten sie die Beute in eigens angekauften Pkw und brachten diese später mit Autotransportern zum Hamburger Hafen, von wo aus sie mittels Containern auf den Seeweg gebracht wurden.

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Die EG Kamerun hat sich nach Vorlage des mehrere tausend Seiten umfassenden Ermittlungskomplexes an die Staatsanwaltschaft Karlsruhe inzwischen aufgelöst. Die noch ausstehenden Ermittlungen werden durch das Betrugsdezernat der Kriminalpolizei geführt.


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