Suchfunktion

Ermittlungen im Mordfall Purreiter sind abgeschlossen

Datum: 13.01.2005

Kurzbeschreibung: 

Gemeinsame Presseerklärung der Staatsanwaltschaft Karlsruhe und Polizeipräsidium Karlsruhe

13.01.2005

Ermittlungen im Mordfall Purreiter sind abgeschlossen
Staatsanwaltschaft erhob Anklage gegen inhaftiertes Trio

 

Waldbronn/Karlsruhe. Knapp drei Monate nach der Tötung des 49 Jahre alten Lehrers und Kommunalpolitikers Heribert Purreiter aus Waldbronn-Busenbach hat die Staatsanwaltschaft Karlsruhe nach Abschluss der kriminalpolizeilichen Ermittlungen Anklage gegen das in Untersuchungshaft befindliche Trio erhoben.

Der 16-jährige Beschuldigte aus Bühlertal wird wegen Mordes angeklagt.

Dessen 45 Jahre alter Vater muss sich wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung mit Todesfolge verantworten, was strafrechtlich ebenfalls ein Verbrechenstatbestand darstellt.

Der 50-jährige italienische Staatsangehörige aus Waldbronn-Busenbach gilt nach Überzeugung der Ermittlungsbehörden als Triebfeder des Geschehens. Weil er dem späteren Opfer einen „Denkzettel" verpassen wollte, wird er wegen Anstiftung zur gemeinschaftlichen Körperverletzung mit Todesfolge angeklagt. Auch dies erfüllt einen Verbrechenstatbestand, der mit einer hohen Freiheitsstrafe geahndet werden kann.

Die Anklage stützt sich auf Angaben des 16-Jährigen sowie auf Zeugenhinweise und Spuren. Der Jugendliche bestreitet allerdings eine Tötungsabsicht. Die beiden erwachsenen Beschuldigten bestreiten alle Tatvorwürfe.

Wie berichtet, war Heribert Purreiter am Abend des 14. Oktober des vergangenen Jahres vor seiner Haustür in der Grünwettersbacher Straße von einem maskierten Mann angeschossen worden. Nach den Schüssen flüchtete der Täter in unbekannter Richtung.

Trotz rascher Erstversorgung durch einen Notarzt und einer Notoperation in einem Karlsruher Krankenhaus verstarb der Familienvater, der sich nach zwei Schüssen in den Oberkörper noch ins Haus schleppen konnte, etwa eine Stunde später an den starken inneren Verblutungen.

Bereits in derselben Nacht richtete sich ein Tatverdacht gegen den 50-jährigen Beschuldigten, der im Verlauf der Großfahndung noch in dieser Nacht auf der Fahrt mit seinem Pkw durch Busenbach von Streifenbeamten des Ettlinger Polizeireviers gestoppt und festgenommen wurde. Der Festgenommene wies alle Vorwürfe zurück und belegte dies durch ein Alibi für die Tatzeit.

Zur Aufklärung des Verbrechens setzte die Karlsruher Kriminalpolizei die „Ermittlungsgruppe Waldbronn" ein, die unter der Leitung von Kriminaloberrat Hubert Wörner in den Räumen der Kriminalaußenstelle Ettlingen zeitweilig mit über 20 Ermittlungsbeamten und Kriminaltechnikern arbeitete. Ein Hinweis aus der Bevölkerung, wo das Verbrechen große Bestürzung ausgelöst hatte, brachte die Beamten auf die Spur des 45-jährigen Mannes, dessen Personenwagen am Abend des Geschehens in Tatortnähe gesehen worden war. Bereits einen Tag nach der Tat wurde der aus Frankreich stammende deutsche Staatsangehörige festgenommen und auf Antrag der Staatsanwaltschaft einen weiteren Tag später dem Haftrichter beim Amtsgericht Karlsruhe vorgeführt, der gegen beide Beschuldigte Haftbefehl erließ. Bei den weiteren Ermittlungen verdichteten sich die Hinweise auf den dritten Tatverdächtigen, den 16-jährigen Sohn. Dieser wurde am 18. Oktober in der Wohnung eines Bekannten in Rheinmünster (Landkreis Rastatt) von Beamten des Mobilen Einsatzkommandos der Landespolizeidirektion Karlsruhe festgenommen. Am Folgetag erging auch gegen diesen Beschuldigten Haftbefehl.

Wenngleich aufgrund von Zeugenaussagen und einer ersten Spurenlage mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen war, dass das inhaftierte Trio für den Tod von Heribert Purreiter verantwortlich ist, so galt es dennoch für die Ermittlungsbehörden, jedem einzelnen Beschuldigten seinen konkreten Tatbeitrag nachzuweisen. Weil die beiden Erwachsenen jede Beteiligung leugneten und der Jugendliche zum Teil widersprüchliche Angaben machte, erhielt die weitere Spurenauswertung, insbesondere im Hinblick auf die individuellen DNA-Spuren, eine hohe Bedeutung.

Bei der Erforschung des Tatmotivs konnten die Ermittler bereits in der Tatnacht nahezu ausschließen, dass der Tod des Heribert Purreiter in irgendeinem Zusammenhang mit dessen kommunalpolitischer Tätigkeit stand. Vielmehr verdichteten sich sehr rasch die Anhaltspunkte auf eine private Auseinandersetzung zwischen dem 50-jährigen Beschuldigten und dem Opfer. Hintergrund waren die Beziehungsprobleme zwischen dem Italiener und dessen Ehefrau, die mehrfach von ihrem Mann geschlagen und massiv bedroht worden war und sich schließlich von ihm getrennt hatte. Im Ortsverband der Grünen-Partei hatte die Frau Kontakt mit dem Gemeinderat und stellvertretenden Bürgermeister Heribert Purreiter, der sich ihrer Probleme annahm. In der Folge zog sich das spätere Opfer den Zorn des eifersüchtigen Beschuldigten zu, weil er ihm ein Verhältnis mit seiner von ihm getrennt lebenden Frau unterstellte. Entsprechende Bedrohungen und Nachstellungen sind bei den Ermittlungs- und Gerichtsbehörden aktenkundig.

Wie die weiteren Ermittlungen ergaben, hatte der 50-Jährige den Entschluss gefasst, dem vermeintlichen Nebenbuhler einen „Denkzettel" zu verpassen. Hierzu hatte er seinen 45-jährigen Bekannten im Sommer des vergangenen Jahres beauftragt, je-manden zu finden, der dem Mann beide Knie zertrümmern sollte. Für diesen Auftrag habe er ihm 600 Euro Bargeld sowie Fotos vom Opfer, dessen Pkw und dessen Haus übergeben. Der Komplize besprach mit seinem 16-jährigen Sohn das Vorhaben, ob dieser jemanden kenne, der diesen Auftrag erledigen könnte. Der Sohn, der bereits wegen verschiedener Delikte strafrechtlich in Erscheinung getreten war, bat schließlich zwei Bekannte, ihm hierbei behilflich zu sein. Unter einem Vorwand überredete er die beiden, ihn für 150 Euro nach Waldbronn zu fahren und bei der Tatausführung zu begleiten. Dort wollte er mit einem Teleskopschlagstock seines Vaters, einem so genannten „Totschläger", dem Opfer während des Kurparkfestes auflauern und die Knie zertrümmern. Nachdem er über drei Stunden lang erfolglos nach dem Mann gesucht hatte, fuhren die drei wieder zurück nach Bühlertal, wo der vereinbarte Betrag ausbezahlt wurde.

Weil der Auftraggeber über den misslungenen Angriff sehr ungehalten gewesen sein soll, entschloss sich der 16-Jährige im Beisein des Vaters, die Tat doch noch auszuführen, und zwar durch gezielte Schüsse in die Knie. Dazu verabredeten Vater und Sohn in Abstimmung mit dem 50-Jährigen, dass Heribert Purreiter am Tatabend vor seiner Haustür nach dem Besuch einer Versammlung abgepasst werden solle. Der 45-Jährige besorgte bei einem Bekannten einen durchgebohrten Schreckschussre-volver mit scharfer Munition.

Er fuhr mit seinem Sohn nach Waldbronn-Busenbach, wo er seinen Pkw in der Nähe des Tatortes abstellte. Zuvor hatten sich die beiden vergewissert, dass sich das Opfer tatsächlich in der Parteiversammlung in einer Gaststätte befand. Während der Vater aus der Ferne das Eintreffen von Heribert Purreiter verfolgte, wartete der bewaffnete Jugendliche im Hof.

Als Heribert Purreiter eintraf und vor der Haustür stand, zielte der Jugendliche von hinten auf dessen Knie. Der Schuss verfehlte das Ziel, das Opfer drehte sich um und ging auf den Schützen zu. Aus kurzer Distanz gab der Schütze sodann -über den verabredeten Tatplan hinausgehend- Schüsse auf den Oberkörper ab. Diesen Umstand werten die Ermittlungsbehörden – im Gegensatz zur ersten Schussabgabe - als Tötungsvorsatz. Weil das Opfer in dieser Situation zudem völlig arg- und wehrlos war, ist das Tatbestandsmerkmal der heimtückischen Begehungsweise erfüllt. Somit ist bei dem Tötungsdelikt von Mord auszugehen.

Ein wichtiges Beweismittel stellt die Tatwaffe mit entsprechenden Spurenantragungen dar, die von der Ermittlungsgruppe in einem Versteck am Arbeitsplatz des 45-Jährigen aufgefunden und sichergestellt wurde.

Die Staatsanwaltschaft hat beantragt, die Anklage bei der Großen Jugendkammer des Landgerichts Karlsruhe zuzulassen und das Hauptverfahren zu eröffnen.

 

Fußleiste