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16 und 19 Jahre alte Gerüstkletterer brachten Passanten und Einsatzkräfte in Lebensgefahr - erhebliche straf- und zivilrechtliche Konsequenzen zu erwarten

Datum: 28.09.2006

Kurzbeschreibung: 

Gemeinsame Presseerklärung Staatsanwaltschaft Karlsruhe und Polizeipräsidium Karlsruhe


Donnerstag, 28. September 2006

16 und 19 Jahre alte Gerüstkletterer brachten Passanten und Einsatzkräfte in Lebensgefahr  - erhebliche straf- und zivilrechtliche Konsequenzen zu erwarten

 

Karlsruhe.  Zwei 16 und 19 Jahre alte Gerüstkletterer haben in der Nacht zum Donnerstag am Durlacher Tor ein Großaufgebot der Polizei über dreieinhalb Stunden hinweg in Atem gehalten und dabei auch Einsatzkräfte in Lebensgefahr gebracht. Nach Hinzuziehung des Spezialeinsatzkommandos aus Göppingen konnten die unter leichter Alkoholeinwirkung stehenden Beschuldigten schließlich auf dem Gerüst des 90 Meter hohen Turmes der Kirche St. Bernhard festgenommen werden.

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Die Staatsanwaltschaft wird am morgigen Freitag über die Beantragung von Haftbefehlen, u.a. wegen versuchten Totschlags, befinden.

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Eine Zeugin hatte die Polizei gegen 22.40 Uhr alarmiert, nachdem die jungen Männer auf das gegen unbefugtes Betreten gesicherte Gerüst des derzeit zur Renovierung stehenden Kirchturmes geklettert waren und aus zum Teil großer Höhe Gerüstteile in die Tiefe warfen. Von diesem überaus gefährlichen Tun ließen sie auch nach Eintreffen der Polizisten nicht ab.

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Vielmehr wechselten sie im Schutz der Dunkelheit und immer wieder verdeckt durch das angebrachte Schutznetz fortwährend ihre Standorte, um mit Gerüstteilen und herausgebrochenem Mauerwerk auch gezielt nach den Beamten zu werfen. Selbst vor dem Wurf einer im Materiallager im unteren Gerüstbereich vorgefundenen – wie sich später herausstellte, leeren - Propangasflasche schreckten die beiden auf Vernunftsappelle überaus aggressiv reagierenden Männer nicht zurück. Durch die Wurfhöhe von bis zu 80 Metern zog sich der Gefahrenkreis weit über 100 Meter um den Turm, weshalb das Durlacher Tor weiträumig abgesperrt werden musste.

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Diese Maßnahmen betrafen auch den Straßenbahnverkehr, zumal auch die Oberleitung der Straßenbahn getroffen wurde. Um weitere Gefahren auszuschließen, schalteten die Verkehrsbetriebe im betroffenen Bereich den Fahrstrom überdies ab. Nach den Festnahmen konnten die notwendigen Absperrungen gegen 02.45 Uhr größtenteils zurückgenommen werden.

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Zu ihren Beweggründen gaben die Beschuldigten in ihren ersten Einlassungen an, das Gerüst bestiegen zu haben, um in der Höhe Bier zu trinken.

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Wieso sie dann die Gegenstände herabwarfen, ist derzeit noch unklar. Ob möglicherweise auch von Drogenkonsum ausgegangen werden muss, wird durch die Untersuchung der bei beiden erhobenen Blutproben zu klären sein. Ein mögliches Motiv ist offenbar auch derzeitiger Liebeskummer eines der Beschuldigten.

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Dieser Aspekt hatte bereits in der Einsatzphase eine Rolle gespielt. Nach der im oberen Gerüstbereich erfolgten Festnahme des 19-Jährigen wirkte die vor Ort gebrachte Freundin auf den weiter unten stehenden jüngeren Beschuldigten derart ein, dass sich dieser schließlich widerstandslos festnehmen ließ.

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Weitere kriminalpolizeiliche Vernehmungen dauern derzeit noch an.

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Nach dem derzeitigen Ermittlungsstand werden sich die beiden auch wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, gefährlichen Eingriffen in den Straßen- und Bahnverkehr, Sachbeschädigung und weiteren Straftaten zu verantworten haben.

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Der von ihnen angerichtete Sachschaden beziffert sich nach ersten Schätzungen offenbar auf mehrere zehntausend Euro. Neben hieraus zu erwartenden zivilrechtlichen Forderungen werden sie auch mit den wohl gleichfalls fünfstelligen Kosten für den Polizei- und Feuerwehreinsatz konfrontiert werden.

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Die Polizei war in der Nacht mit über 30 Angehörigen verschiedener Reviere und Kriminaldienststellen, den per Hubschrauber aus Göppingen herbeigeeilten Spezialeinsatzkräften sowie einem Angehörigen der Verhandlungsgruppe der Landespolizeidirektion Karlsruhe im Einsatz. Die Berufsfeuerwehr wie auch die Freiwillige Feuerwehr Durlach hatten zur Ausleuchtung 14 Mann und fünf Fahrzeuge eingesetzt. Darüber hinaus waren vorsorglich auch Rettungskräfte bereitgestellt worden.


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