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Gewerbsmäßiger Computerbetrug aufgedeckt - "Phishing"-Bande ergaunerte mehr als 100.000 Euro - Haftbefehle erlassen

Datum: 13.12.2011

Kurzbeschreibung: 

Gemeinsame Presseerklärung Staatsanwaltschaft Karlsruhe und Polizeipräsidium Karlsruhe


13. Dezember 2011

Gewerbsmäßiger Computerbetrug aufgedeckt - „Phishing“-Bande ergaunerte mehr als 100.000 Euro - Haftbefehle erlassen

Karlsruhe. Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe betreibt derzeit ein Ermittlungsverfahren gegen eine Gruppierung, die sich wegen banden- und gewerbsmäßigen Computerbetrugs und Geldwäsche zu verantworten hat. Die Ermittlungen werden vom Dezernat zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität in enger Zusammenarbeit mit der Finanzermittlungsgruppe des Polizeipräsidiums Karlsruhe geführt.

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Die mehrköpfige Bande, die in weiten Teilen des Bundesgebietes tätig war, nutzte Unsicherheiten und teilweise den sorglosen Umgang betroffener Onlinebanking-Teilnehmern aus, um deren Kontodaten auszuspionieren und anschließend unberechtigte Verfügungen von deren Konten auszuführen. Die Fachleute sprechen hier vom sogenannten „Phishing“, einem Begriff, der sich aus den englischen Wörtern „Password“ und „Fishing“ zusammensetzt.

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Die Täter nutzten Schadsoftware, die auf die Rechner der Geschädigten geschleust wurden. Diese Trojaner registrierten die Zugangsdaten zu den Onlinebankkonten und meldeten diese an die Betrüger weiter. Anschließend wurden mit professionell aufgemachten Abfragemasken, die dem Aussehen der echten Bankseiten täuschend ähnlich waren, bei den Onlinenutzern deren TAN-Nummern abgefragt, mit denen die Betrüger im Anschluss ihre illegalen Überweisungen ausführen konnten.

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Auf diese Art wurden von einzelnen Bankkunden bis zu 100 TAN-Nummern preisgegeben. Anschließend landeten die von den Tätern ausgeführten Überweisungen auf Konten weiterer Personen, die zuvor als Kontogeber angeworben wurden. Diese Finanzagenten wurden mit einer dargestellten Legende und einer Provisionsvergütung dazu überredet, die Geldbeträge auf ihren Konten anzunehmen und anschließend an die Täter zu übergeben.

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Ein 33 Jahre altes Mitglied der Bande war dabei maßgeblich am Aufbau und Betrieb des Netzwerkes zur Erlangung von Bargeld beteiligt. Dieser Mann trat im Sommer 2011 vermehrt in Karlsruhe und Umgebung auf, um hier die Finanzagenten anzuwerben und Gelder über deren Konten in Empfang zu nehmen und anschließend ins Ausland zu transferieren. Nach mehreren unberechtigten Überweisungen konnte die Finanzermittlungsgruppe der Kriminalpolizei Karlsruhe eine Spur des Täters entdecken und die Tatverdächtigen ins Visier nehmen. Mit der Einrichtung einer fünfköpfigen Ermittlungsgruppe beim Dezernat zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität konnten nach umfangreichen Ermittlungen der in Karlsruhe ansässige Mann sowie zwei 21 und 40 Jahre alte Tatgenossen bei einer Geldübergabe Ende Oktober in Bochum festgenommen werden. Gegen den 33-jährigen mutmaßlichen Haupttäter sowie den 21 Jahre alten Mann wurde auf Antrag der Staatsanwaltschaft Karlsruhe vom zuständigen Richter Haftbefehl erlassen.

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Bislang können die Täter mit ca. 60 durch unberechtigte Überweisungen erfolgte Taten in Verbindung gebracht werden, wobei sich die abgebuchte Gesamtsumme auf ca. 110.000.- Euro beläuft. Für die Ermittlungsgruppe der Kriminalpolizei und die Staatsanwaltschaft ist dieser Fall noch nicht abgeschlossen, denn es dürfte sich bei den bislang festgestellten Taten nur um die Spitze eines Eisberges handeln.

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Durch die Ermittlungen war nachzuweisen, dass die sehr konspirativ arbeitende Bande strukturiert und arbeitsteilig vorgegangen ist, wobei die führenden Bandenmitglieder von Zentralasien aus operierten. Aber auch hier gelang es den Ermittlern ausländische Bandenmitglieder zu identifizieren und sich mit den dortigen Behörden auszutauschen.

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Das Agieren der Täter bot an Dreistigkeit keinen Einhalt. In einem Fall, so die Ermittlungen der Finanzermittlungsgruppe, bemerkte eine Bankkundin die unberechtigte Abbuchung von ihrem Konto und veranlasste eine sofortige Rücküberweisung des Geldes. Von den Tätern wurde daraufhin erneut auf das Konto der Geschädigten zugegriffen und das zurück geholte Geld nochmals abgebucht. In einem anderen Fall bemächtigten sich die Täter des Kontos eines Geschädigten und veranlassten die Rückgabe von Lastschriftaufträgen. So kam bereits abgebuchtes Geld auf das Konto zurück, das sich die Täter im Anschluss zu ihren Gunsten abbuchten.

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Die Polizei rät deshalb nochmals eindringlich, mit Kontodaten sorgfältig umzugehen. Grundsätzlich werden von Banken ohne konkreten Buchungsvorgang keine TAN-Nummern bei den Kunden abgefragt.

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Ergeben sich Zweifel an der Richtigkeit einer Abfrage oder Eingabe sollte möglichst schnell mit der Bank Verbindung aufgenommen werden. Darüber hinaus sollte kein Geld für fremde Menschen oder Firmen auf dem eigenen Konto angenommen und weitergegeben werden. Käme dieses Geld aus strafbaren Handlungen, ergeben sich Haftungsansprüche gegen den Kontoinhaber und es besteht die Gefahr, sich selbst strafbar zu machen.

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